Deutschlands zweitgrößte Bank, die Commerzbank, gab am Donnerstag bekannt, dass sie im Rahmen ihrer jüngsten strategischen Neuausrichtung bis 2028 3.900 Vollzeitstellen streichen will. Der Stellenabbau betrifft vor allem Stellen in Deutschland, obwohl die Bank beabsichtigt, an ausgewählten internationalen Standorten Personal aufzubauen und ihre weltweite Belegschaft von 36.700 Mitarbeitern stabil zu halten. Die Commerzbank rechnet im Jahr 2025 mit Restrukturierungskosten von rund 700 Millionen Euro (730,7 Millionen Dollar vor Steuern) und strebt nach Berücksichtigung dieser Kosten einen Nettogewinn von 2,4 Milliarden Euro für das Jahr an.

Die Bank skizzierte außerdem Pläne, im Zeitraum 2025–2028 mehr als 100 % ihrer Gewinne durch Dividenden und Aktienrückkäufe auszuschütten, wobei Restrukturierungskosten und Zahlungen für zusätzliche Kernkapitalanleihen (AT1) nicht mit eingerechnet sind. In ihrem Finanzbericht meldete die Bank Einnahmen in Höhe von 11,1 Milliarden Euro für 2024, was einer Steigerung gegenüber 10,461 Milliarden Euro im Jahr 2023 entspricht. Anfang dieses Monats gab die Commerzbank vorzeitig einen Rekordjahresgewinn bekannt, was den deutschen gesetzlichen Anforderungen an bedeutende Kapitalrückzahlungen entspricht.
Die Bank verzeichnete für 2024 einen Nettogewinn von 2,68 Milliarden Euro (2,78 Milliarden Dollar) und übertraf damit die Markterwartungen. Neben dieser Leistung kündigte sie einen Aktienrückkaufplan im Umfang von 400 Millionen Euro und eine erhöhte Dividendenausschüttung von 0,65 Euro pro Aktie an, gegenüber 0,35 Euro pro Aktie im Vorjahr. Die Ankündigung der Umstrukturierung erfolgt inmitten anhaltender Spekulationen über eine mögliche grenzüberschreitende Übernahme durch die italienische UniCredit, die im vergangenen Jahr unerwartet ihren Anteil an der Commerzbank erhöht hatte.
UniCredit hält derzeit einen direkten Anteil von 9,5 Prozent an der Commerzbank und weitere 18,5 Prozent über Derivate, was Zweifel an den strategischen Absichten der Bank aufkommen lässt. Die deutsche Regierung hat sich gegen eine solche Fusion ausgesprochen. Finanzminister Jörg Kukies kritisierte in einem Interview mit den Medien das Vorgehen von UniCredit als „sehr aggressiv, sehr undurchsichtig“. Die Möglichkeit einer Konsolidierung der beiden Banken bleibt ungewiss. UniCredit-CEO Andrea Orcel betont, dass die Commerzbank eher eine Investitionsmöglichkeit als ein unmittelbar bevorstehendes Übernahmeziel darstelle.
In einem Gespräch mit den Medien nach der Veröffentlichung des Quartalsergebnisses von UniCredit betonte Orcel den potenziellen Wert einer Fusion und argumentierte, dass eine Kombination der beiden Banken erhebliche Vorteile für die Aktionäre und den gesamten europäischen Bankensektor mit sich bringen würde. Die Restrukturierungsinitiative und die finanziellen Ziele der Commerzbank signalisieren ihre Absicht, ihre Unabhängigkeit inmitten der anhaltenden Diskussionen über eine Konsolidierung der Branche zu stärken. Die Führung der Bank konzentriert sich weiterhin auf die Umsetzung ihres strategischen Plans und berücksichtigt dabei die Erwartungen der Aktionäre und die geopolitischen Empfindlichkeiten in der europäischen Bankenlandschaft. – Von Eurowire News Desk.
