BERLIN, Deutschland / MENA Newswire / – Der Deutsche Flughafenverband warnte am 9. Mai vor Kerosinmangel und steigenden Flugpreisen. Diese erhöhen das Risiko von Flugausfällen und höheren Flugpreisen in der Sommerreisesaison 2026. Kleinere Flughäfen und weniger frequentierte Freizeitstrecken dürften als erste betroffen sein. Die Flughäfen erklärten, diese Kombination gefährde die regionale Anbindung und könne Tourismus und Geschäftsreisen beeinträchtigen, da Fluggesellschaften die profitabelsten Strecken priorisieren würden.

Ralph Beisel, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), erklärte, Fluggesellschaften würden angesichts des Kostenanstiegs und der Unsicherheit bezüglich der Flugzeuglieferungen bereits ihre Kapazitäten überprüfen. Flughäfen seien besonders besorgt über weitere Kürzungen bei Billigfluggesellschaften und über die Streichung von Verbindungen zu touristisch weniger attraktiven Zielen, wo die Erträge geringer seien und Flugzeuge schnell umgebucht werden könnten. Beisel betonte, Flughäfen seien für Personalplanung, Sicherheitsmaßnahmen und Bodenabfertigungsverträge auf stabile Flugpläne angewiesen.
Beisel erklärte, das beste Szenario für 2026 wären stabile Passagierzahlen nach mehrjähriger Erholung. Im schlimmsten Fall, so Beisel, könnte die Betriebskapazität einiger Flughäfen um etwa 10 % sinken, was bis zu 20 Millionen Passagiere im gesamten deutschen Streckennetz betreffen könnte. Er fügte hinzu, dass einige Destinationen ihre Flugverbindungen komplett verlieren könnten, während andere mit weniger Flügen und höheren Ticketpreisen rechnen müssten, da die Fluggesellschaften ihre Kapazitäten auf größere Drehkreuze und stark nachgefragte Urlaubsrouten konzentrieren würden.
Die angespannte Lage auf dem Treibstoffmarkt wird mit den Unterbrechungen der Öllieferungen durch die Straße von Hormus infolge des Iran-Krieges in Verbindung gebracht. Dies hat die Kosten für Flugzeugkerosin in die Höhe getrieben und die Verfügbarkeit verringert. Der Luftfahrtdatenanbieter Cirium berichtet, dass Fluggesellschaften im Mai weltweit rund 13.000 Flüge aus ihren Flugplänen gestrichen und damit etwa zwei Millionen Sitzplätze eingespart haben. Grund dafür waren die Reduzierung oder Zusammenlegung von Verbindungen und die Umverteilung von Flugzeugen, um Treibstoff zu sparen.
Die deutschen Behörden gaben an, die Versorgungslage genau zu beobachten. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte im April, die Verfügbarkeit von Kerosin sei nicht unmittelbar gefährdet, da sich die Raffinerien an die gestiegene Nachfrage anpassten. Sie bestätigte jedoch, dass die Regierung die Wachsamkeit erhöht habe. Die deutsche Luftfahrtindustrie bezeichnete das Problem hauptsächlich als Preisschock und wies darauf hin, dass sich die Treibstoffkosten seit Beginn des Nahostkonflikts mehr als verdoppelt hätten.
Internationale Organisationen und EU- Institutionen haben sich ebenfalls mit den Risiken und Auswirkungen auf die Verbraucher auseinandergesetzt. Der Exekutivdirektor der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, erklärte am 16. April in einem Interview in Paris, Europa verfüge bei anhaltenden Ölengpässen aufgrund des Iran-Krieges nur noch über Kerosin für „vielleicht sechs Wochen“. Er warnte vor möglichen Flugausfällen, sollten die Lagerbestände weiter sinken. Die Europäische Kommission erklärte am 8. Mai, hohe Treibstoffpreise sollten nicht als „außergewöhnlicher Umstand“ im Sinne der Entschädigungsregelungen für Passagiere gelten. Sie wies jedoch darauf hin, dass Fluggesellschaften in Fällen wie beispielsweise einem nachgewiesenen lokalen Treibstoffmangel ausgenommen sein können. Der Deutsche Flughafenverband (DHA) warnt vor Kerosinengpässen, die bei anhaltenden Lieferengpässen einen Preisschock zu einem umfassenderen Problem im Flugplan ausweiten könnten.
Europäische Regulierungsbehörden bereiten Notfallmaßnahmen vor, da Betreiber nach alternativen Bezugsquellen suchen. Am 8. Mai erklärte die Europäische Kommission, dass der Verwendung von aus Märkten wie den USA importiertem Jet-A-Treibstoff keine regulatorischen Hindernisse entgegenstehen, sofern die Umstellung entlang der gesamten Lieferkette gesteuert und kommuniziert wird. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) gab an, dass Jet A einen höheren maximalen Gefrierpunkt als der europäische Standard-Jet A-1 aufweist und daher aktualisierte Verfahren und Kontrollen im Umgang mit Treibstoff erfordert.
Die großen Airline-Konzerne haben begonnen, die finanziellen Auswirkungen zu beziffern. Lufthansa gab am 6. Mai bekannt, dass sie in diesem Jahr mit einem Anstieg der Kerosinkosten um 1,7 Milliarden Euro rechnet und zur Sicherung ihrer Gewinnprognose auf Absicherungsgeschäfte, höhere Flugpreise, Anpassungen im Streckennetz und Kostensenkungen setzen wird. Finanzvorstand Till Streichert erklärte, die Treibstoffversorgung an den Drehkreuzen des Konzerns sei voraussichtlich bis Juni gesichert, und das Unternehmen bereite Tankstopps auf einigen Langstreckenflügen vor, falls sich die Lage verschärfen sollte.
Die International Airlines Group (IAG) , Muttergesellschaft von British Airways, Iberia und Aer Lingus, warnte am 8. Mai, dass Gewinn, Cashflow und Kapazität im Jahr 2026 niedriger ausfallen würden als bisher prognostiziert. Sie rechnete mit Kerosinkosten von rund 9 Milliarden Euro, etwa 2 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2025. Der Deutsche Flughafenverband (DAG) warnte vor Kerosinengpässen, die die regionale Anbindung weiter belasten könnten, sofern sich die Versorgungslage nicht stabilisiert und die Fluggesellschaften nicht wieder planbare Flugpläne anbieten können.
Der Beitrag „Bundesverband Flughafen Deutschland warnt vor Kerosinknappheit“ erschien zuerst auf Bells Weekly .
